B14.1 Expertenstandard Sturz - Online Weiterbildung | kenbi Akademie

B14.1 Expertenstandard Sturz

Gründe zur Auseinandersetzung mit diesem Thema

„Vorbeugen ist besser als Heilen!“

• Risikoerkennung und Sturzvermeidung

• Sicherheit für den Pflegebedürftigen

• Gefahrenabwehr für dessen Gesundheit

• Erhalt der Autonomie des Pflegebedürftigen

• Festlegung und Umsetzung prophylaktischer Maßnahmen

Bezug zu Pflegetheorien

Ganzheitlichkeit =

Einheit von Leib, Seele und Geist

 

• verlangt Komplexität in der Pflege

 

• Beobachtung, Einschätzung und Berücksichtigung des Gesundheitszustandes, aller Handlungen, Äußerungen und Ressourcen/Fähigkeiten des Pflegebedürftigen bei der Bewältigung der Aktivitäten des täglichen Lebens

 

• Gesamtheit der Ergebnisse bildet die Grundlage und ist Teil des gesamten Pflegeprozesse

Ganzheitlichkeit =

Einheit von Leib, Seele und Geist

 

• verlangt Komplexität in der Pflege

 

• Beobachtung, Einschätzung und Berücksichtigung des Gesundheitszustandes, aller Handlungen, Äußerungen und Ressourcen/Fähigkeiten des Pflegebedürftigen bei der Bewältigung der Aktivitäten des täglichen Lebens

 

• Gesamtheit der Ergebnisse bildet die Grundlage und ist Teil des gesamten Pflegeprozesse

Bedeutung von Bewegung für den Menschen

• Bewegung ist Leben – Leben ist Bewegung

 

• Bewegung ist ein Mittel,

– sich im Leben zurechtzufinden,
– dabei zu sein,
– selbstständig zu sein

 

• Bewegung ist der koordinierte Einsatz von Muskeln, Sehnen,

Gelenken, des Bewegungsapparates und des Zentralnerven-
systems

Aufgabe des Nervensystems: Koordination aller Vorgänge im Körper

willkürliches:

• der Skelettmuskulatur

• auf Sinneseindrücke spezialisiert und Fähigkeit, bewusst auf die Umwelt zu reagieren

unwillkürliches: (vegetatives)

• Beeinflussung der inneren Organe und Drüsen durch vorwiegend unbewusste Steuerung

• Koordination lebenswichtiger
Körperfunktionen

Bewegungsapparat
  • Knochen

  • Muskeln

  • Gelenke 

  • Bänder

Veränderungen des Bewegungsapparates im Alter

• Abnahme der Muskelmasse (bis zum 70. Lebensjahr um etwa 30 %) durch weniger Bewegung und Inaktivität

 

• Verlust der Elastizität, Dehnbarkeit, Reißfestigkeit und Gleitfähigkeit von Sehnen, Bändern und Muskeln

 

• Abnahme des Mineralgehalts in den Knochen bereits ab dem 40. Lebensjahr (Verringerung der Knochendichte)

 

• Abnahme der Gelenkbeweglichkeit

 

• mögliche Veränderungen von Hirnfunktionen

Es kann zu Einschränkungen der Unabhängigkeit und Selbstständigkeit sowie zu einer erhöhten Anfälligkeit von Stürzen und Knochenbrüchen kommen.

Definition „Sturz“

• “Ein Sturz ist ein Ereignis, bei dem der Betroffene unbeabsichtigt auf dem Boden oder einer anderen tieferen Ebene aufkommt.”

 

• Hiermit sind auch Stürze gemeint, in deren Folge die Betroffenen den Boden oder die tiefere Ebene nicht mit dem ganzen Körper berühren, sondern dort auch beispielsweise sitzen oder hocken.”

Sturzrisiko

• altersabhängig (am höchsten in der frühen Kindheit und im Alter, ca. 20 % der Erwachsenen zwischen 20-65 Jahren mind. einmal innerhalb von 2 Jahren, ca. 30 % und mehr bei über 65-Jährigen)

 

• mind. ein Sturz bei 40 % und mehr Pflegeheimbewohnern innerhalb eines halben Jahres, ca. 62 % bei Bewohnern mit Demenz (schwedische Studie, 2009)

• stationär: Rate von 2,6 Stürzen pro Bewohnerjahr, d.h. > 2 Stürze pro Bewohner pro Jahr ambulant: > 40 % der Patienten ab 80 Jahre oder mit gesundheitlich stärker beeinträchtigenden chronischen Erkrankungen 1 Sturz pro Jahr (deutsche Studien 2005-2011)

 

• ca. 40 % bei Erwachsenen mit geistiger Behinderung mind. 1 Sturz pro Jahr (britische Studie, 2010)

Definition und Umgang mit „Beinahestürzen“

• “Beinahestürze” sind Stürze, die abgefangen wurden und nicht zum Sturz und deren Folgen geführt haben

 

• die Ursachen von “Beinahestürzen” sollten aber genauso beachtet werden wie bei Stürzen, um so Gefahrenquellen und Risiken besser erkennen und adäquat handeln zu können.

Sturzprophylaxe

häufigste gesundheitliche Einschränkungen:

• Inkontinenz

• Demenz

Stürze (lange Krankenhausaufenthalte, Schmerzen, zunehmende Behinderung, Einschränkungen der Mobilität, Erhöhung der Sterblichkeit)

 

Expertenstandard Sturzprophylaxe in der Pflege

• “Der Expertenstandard hat zum Ziel, Pflegefachkräfte sowie Pflege- und Gesundheitseinrichtungen dabei zu unterstützen, basierend auf wissenschaftlichen Erkenntnissen und Expertenmeinungen, Stürzen vorzubeugen und Sturzfolgen zu minimieren.

 

• Dieses Ziel ist allerdings nicht durch eine Einschränkung der Bewegungsfreiheit zu erreichen, sondern vielmehr durch die Erhaltung bzw. Wiederherstellung einer größtmöglichen, sicheren Mobilität von Patienten/Bewohnern, verbunden mit einer höheren Lebensqualität.”

 

• “richtet sich an alle Pflegefachkräfte, die Patienten/Bewohner entweder in der eigenen häuslichen Umgebung oder in einer Einrichtung der stationären Gesundheitsversorgung oder einer stationären Pflegeeinrichtung betreuen”

 

• “bezieht sich auf alle Personen, die sich kurz- oder langfristig in pflegerischer Betreuung befinden” (alle Altersgruppen, auch spezifische Gruppen, z.B. Menschen mit Behinderung)

Zielsetzung

Jeder Patient/Bewohner mit einem erhöhten Sturzrisiko erhält eine Sturzprophylaxe, die Stürze weitgehend verhindert und Sturzfolgen minimiert.

Begründung

• “Stürze stellen insbesondere für ältere und kranke Menschen ein hohes Risiko dar. Sie gehen häufig mit schwerwiegenden Einschnitten in die bisherige Lebensführung einher, die von Wunden und Frakturen über Einschränkung des Bewegungsradius infolge verlorenen Vertrauens in die eigene Mobilität bis hin zur Aufgabe einer selbstständigen Lebensführung reichen.

 

Durch

• rechtzeitige Einschätzung der individuellen Risikofaktoren, • eine systematische Sturzerfassung, • Information und Beratung von Patienten/Bewohnern und Angehörigen • sowie gemeinsame Maßnahmenplanung und Durchführung kann eine sichere Mobilität gefördert werden.”

Voraussetzungen zur Umsetzung des Expertenstandards

Managementebene

• gemeinsame Verantwortung der leitenden Managementebene und der Pflegefachkräfte (Erstellung eines einrichtungsbezogenen Standards)

 

• Schaffung notwendiger struktureller Voraussetzungen, z.B. im Bereich Fortbildung

 

• Ermöglichung zielgruppenspezifischer Interventionsangebote

 

• Gewährleistung räumlicher und technischer Voraussetzungen (Empfehlungscharakter im ambulanten Bereich)

 

• Bereitstellung entsprechender Hilfsmittel

 

• Bereitstellen von Ressourcen zur Auswertung und Analyse von Stürzen

Pflegefachkraft

• aktuelles Wissen zur Identifikation eines Sturzrisikos

 

• Beratungskompetenz bezüglich des Sturzrisikos und geeigneter Interventionen

 

• Kenntnis über geeignete Interventionen zur Vermeidung von Stürzen und zur Minimierung sturzbedingter Folgen

 

• Autorisierung zur Koordination der Interventionen

 

• Befähigung zur individuellen Sturzerfassung und Sturzanalyse

Sturzrisikofaktoren

• systematische Identifizierung der Sturzrisikofaktoren im Hinblick auf die Planung der Interventionen (Maßnahmen)

 

• erneute Erfassung der Sturzrisikofaktoren bei Veränderungen der Pflegesituation und nach jedem Sturz

 

• wichtig: konsequent durchgeführte Erfassung der Sturzrisikofaktoren und deren Dokumentation

 

• “Jeder Sturz ist dokumentiert und analysiert.”

Personenbezogene Sturzrisikofaktoren

– Sturzangst – Stürze in der Vorgeschichte 

Beeinträchtigung funktioneller
Fähigkeiten, z.B. Einschränkungen in
den Aktivitäten des täglichen Lebens:

• Abhängigkeit von Pflegepersonen

• Essen und Trinken, Zubereitung,
Einkauf

• sich waschen und kleiden

• sich beschäftigen

• für Sicherheit sorgen

Depression:

• lateinisch „deprimere/depressus“ = herunterdrücken/unterdrücken, Niedergeschlagenheit, traurige Stimmung (Fremdwörterbuch)

• Interessenverlust

• Freudlosigkeit

• verminderter Antrieb

• gesteigerte Ermüdbarkeit

 

• Beeinträchtigung sensomotorischer Funktionen und/oder der Balance, z.B. Einschränkungen der Gehfähigkeit oder Balance-Störungen:

Parkinsonsche Erkrankung (Störung des Stoffwechsels in Hirnteilen u.a. mit Problemen in der Steuerung und Koordination der Motorik wie vorgebeugte Körperhaltung und kleinschrittiger Gang)

Apoplexie (Durchblutungsstörungen wie Schlaganfall u.a. mit halbseitiger Lähmung, Schluck-, Sprach- und Sehstörungen)

Polyneuropathie (Erkrankungen mehrerer Nerven u.a. mit Taubheitsgefühlen, Schmerzen und Muskelschwäche)

Osteoarthritis (Gelenkerkrankungen u.a. mit Schmerzen, Steifheit und Funktionsverlust des Gelenkes)

Gesundheitsstörungen, die mit Schwindel, kurzzeitigem Bewusstseinsverlust oder ausgeprägter körperlicher Schwäche einhergehen, z.B.

• Hypoglykämie (Verminderung des Blutzuckers unter Normalwerte)

• haltungsbedingte Hypotension (absinkender Blutdruck)

• Herzrhythmusstörungen (erhöhter oder zu langsamer Herzschlag)

• Transitorische Ischämische Attacke (kurze Unterbrechung der Blutzufuhr des Gehirns)

 

Gesundheitsstörungen, die mit Schwindel, kurzzeitigem Bewusstseinsverlust oder ausgeprägter körperlicher Schwäche einhergehen, z.B.

• Epilepsie (wiederkehrende Anfälle oder zeitweilige Veränderungen einer oder mehrerer Gehirnfunktionen mit Bewusstseinsverlusten)

• Multiple Sklerose (Abbaukrankung der Nervenbahnen im Gehirn und Rückenmark, u.a. mit spastischen Lähmungen verschiedener Muskelgruppen, Sensibilitätsstörungen, Sprach- und Sehstörungen)

 

kognitive Beeinträchtigungen (akut und/oder chronisch, z.B. Demenz, Delir=akute Verwirrtheit):

• Demenz (fortschreitender Verfall der geistigen Fähigkeiten infolge von Gehirnerkrankungen u.a. mit Unruhe, Erregungszuständen, zunehmenden Orientierungsstörungen, Sprach- und Gangstörungen)

• Delir (akute Verwirrtheit u.a. mit Desorientierung, Störungen des Schlaf- und Wachrhythmus, psychomotorischer Unruhe im Wechsel mit Apathie)

Kontinenzprobleme, z.B. Dranginkontinenz, Nykturie = vermehrte nächtliche Harnabsonderung, Probleme beim Toilettengang

• nicht hemmbare Kontraktionen der Blasenmuskulatur bei intaktem Verschlussmechanismus der Harnröhre

• Ursachen: ZNS-Störungen, z.B. Demenz, Apoplexie (Schlaganfall), Medikamente, Reizung der Blasenschleimhaut (z.B. Blasenentzündung, Blasensteine, Tumor)

• Symptome: starker Harndrang, häufiges Wasserlassen (auch nachts), unfreiwilliger Urinabgang, bei Harnweginfektionen Brennen beim Wasserlassen

Sehbeeinträchtigungen:
• zum Lesen wird mehr Licht als früher benötigt
• starkes, helles Licht blendet
• Bilder/Gegenstände erscheinen verwaschen/verzerrt, Sehen wird verschwommener, Lichter erscheinen glänzend und unscharf
• schwarze Flecken oder Punkte werden gesehen und wandern mit dem Blick mit
• Abnahme der Nahsichtigkeit (Alterssichtigkeit)
• schlechtere Unterscheidung der Farben blau, braun, beige
• Einengung des Gesichtsfeldes

• Auge benötigt mehr Zeit zur Anpassung an Hell-Dunkel-Situationen

• Reizungen der Horn- und Bindehaut sowie Verschluss

leichte Sehschwächen bis
zur völligen Blindheit



Gefahr von Depressionen,
Apathie, Misstrauen,
Vereinsamung, Angst



Orientierungsverluste,
Unsicherheit,
Verwirrtheit,
erhöhte Sturzrisiken

Medikamentenbezogene Sturzrisikofaktoren

• Antihypertensiva (blutdrucksenkende Arzneimittel)

 

• psychotrope Medikamente (Antidepressiva, Sedativa = Beruhigungsmittel, angstlösend wirkende Medikamente)

 

• Polypharmazie (Vielzahl eingenommener Medikamente, die die Körperwahrnehmung erheblich verändern, ab 4 Medikamente)

 

wichtig:

• sorgfältige Beobachtung des Patienten/Bewohners auf mögliche medikamentenbedingte Nebenwirkungen • Anpassung der Medikamentation als ärztliche Aufgabe

Umgebungsbezogene Sturzrisikofaktoren

• freiheitsentziehende Maßnahmen

• Gefahren in der Umgebung

• inadäquates Schuhwerk

Alles verstanden?

Solltest Du noch weitere Fragen zu diesem Thema haben, so kannst du dich gerne, auf folgenden Wegen bei uns melden.

 

telefonisch:

Kenbi Campus 0171/ 3140321 oder

Mail: campus@kenbi.de

 

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