B16 Mobilitätsförderung - Online Weiterbildung | kenbi Akademie

B16 Mobilitätsförderung

Präambel zum Abschlußbericht des Expertenstandard „Erhaltung und Förderung der Mobilität in der Pflege“
  • Mobilität und Mobilitätserhaltung sind für pflegebedürftige Menschen und für Menschen, die von Pflegebedürftigkeit bedroht sind, von besonderer Wichtigkeit.

  • Sie ist grundlegende Voraussetzung für Selbstständigkeit und autonome Lebensführung, für soziale Teilhabe,

    Lebensqualität und subjektives Wohlfühlen.

  • Die Erhaltung und Verbesserung der Mobilität weisen…ein große Potential für Gesundheitsförderung und Prävention auf.

Definition Mobilität (NES)
  • Eigenbewegung des Menschen mit dem Ziel, sich fortzubewegen oder eine Lageveränderung des Körpers vorzunehmen.

  • Lageveränderung und Fortbewegung umfassen den Lagewechsel im Liegen und Sitzen, das Aufstehen und

    das Umsetzen sowie das Gehen mit oder ohne Hilfen.

Zielsetzung

Jeder pflegebedürftige Mensch erhält im Rahmen seiner Selbstbestimmung eine pflegerische Unterstützung, die zur Erhaltung und zur Förderung der Mobilität beiträgt.

Zielsetzung des NES

Begründung:

  • Eine eingeschränkte Mobilität ist ein Risiko für pflegebedürftige Menschen.

  • Sie kann zu einer erheblichen Beeinträchtigung der Lebensqualität bis hin zu einer Ortsfixierung und Bett- lägerigkeit führen und mit dem Risiko weiterer gesundheitlicher Beeinträchtigungen (wie z.B. Dekubitus, Sturz) einhergehen.

  • Durch eine regelmäßige Einschätzung der Mobilität, differenzierte Informations- und Edukationsangebote, eine motivierende und mobilitätsfördernde Umgebungsgestaltung, das Angebot sowie die Koordination zielgerichteter, die Eigenaktivität fördernder Maßnahmen kann zur Erhaltung und Förderung der Mobilität beigetragen werden.

  • Eine so verstandene pflegerische Unterstützung hat gesundheitsfördernden Charakter.

  • Die damit erreichte Mobilität hat eine große Bedeutung für die gesellschaftliche Teilhabe.

Der NES richtet sich an
  • ambulante Pflege

  • teilstationäre Pflege

  • Kurzzeitpflege

  • stationäre Pflege

  • Krankenhaus (Einrichtungen Reha, Behinderteneinrichtungen)

  • keine Einrichtungen für Kinder

Ebene 1

S 1: Die PFK verfügt über die Kompetenz, die Mobilität des pflegebedürftigen Menschen, Gründe für Mobilitätsbeeinträchtigungen sowie Umgebungsmerkmale, die für die Mobilität relevant sind, systematisch
einzuschätzen und Gründe für Mobilitätseinschränkungen zu identifizieren

P 1: Die PFK schätzt zu Beginn des pflegerischen Auftrages die Mobilität des pflegebedürftigen Menschen sowie Probleme, Wünsche und Ressourcen im Zusammenhang mit der Erhaltung/Förderung die Mobilität ein. Sie wiederholt die Einschätzung regelmäßig in individuell festzulegenden Abständen sowie bei Veränderungen mobilitätsrelevanten Einflussfaktoren

E 1: Eine aktuelle Einschätzung der vorhandenen Mobilität und möglicher Probleme und Ressourcen im Zusammenhang mit der Mobilität liegen vor. Die Entwicklung der Mobilität ist abgebildet.

Die Bewertung des Mobilitätsstatus

beinhaltet:

  • biografischer/früherer Status der Mobilität

  • aktueller Status der Mobilität

  • individuelle körperliche Beeinträchtigungen und Ressourcen

  • individuelle kognitive Beeinträchtigungen und Ressourcen

  • Merkmale der materiellen und sozialen Umgebung

  • Erkrankungen und aktuell durchgeführte therapeutische

    Maßnahmen

  • pflegefachliche Abschlussbewertung

  • Empfehlungen zur Wahl bestimmter Instrumente lassen sich aus dem aktuellen Stand der Forschung nicht ableiten.

  • Es existiert kein Instrument, mit dem sich sämtliche der genannten Teilaspekte erfassen ließen.

  • Die Einschätzung der Mobilität ist Teil der pflegefachlichen Gesamteinschätzung zu Beginn und im Verlauf des Pflegeprozesses.

  • Sie weist zahlreiche inhaltliche Bezüge zu anderen pflegefachlichen Einschätzungen auf, z.B. zur Einschätzung des Sturzrisikos oder des Dekubitusrisikos.

  • Die Pflegefachkraft sollte über das Wissen und die Fähigkeit verfügen, diese inhaltlichen Bezüge zu erkennen, um Doppeleinschätzungen zu vermeiden.

Erfassungsbogen Mobilität (EBoMo)
Die Bewertung des Mobilitätsstatus
  • keine konkreten zeitlichen Vorgaben für die Aktualisierung der Einschätzung

  • Wiederholung der Einschätzung in regelmäßigen, individuell festzulegenden Abständen und bei Veränderungen der mobilitätsrelevanten Einflussfaktoren

  • die Entscheidung über den individuellen Zeitabstand ergibt sich aus dem aktuellen gesundheitlichen Status, der Versorgungssituation und ggf. den individuellen Pflegezielen

Unsere Empfehlung: bei Aufnahme, Rückkehr aus dem
Krankenhaus, bei akuten Veränderungen und im Rahmen der Evaluation der Pflegeplanung

Biografischer/früherer Status der Mobilität

Der biografische/frühere Status der Mobilität umfasst die Kurzdarstellung der früheren Fähigkeiten, Ressourcen und Einschränkungen

 

Biografischer/früherer Status der Mobilität: Der biografische/frühere Status der Mobilität umfasst die Kurzdarstellung der früheren Fähigkeiten, Ressourcen und Einschränkungen

  • Dekubitus-Risiko

  • akute/chronische Schmerzen

  • Kontrakturen bzw. Gelenkbewegungseinschränkungen

  • Sturzgefährdung, inklusive Probleme beim Treppensteigen

  • Probleme im Ernährungsmanagement

  • Motivation zur Bewegung, hat sich bisher aktivieren lassen

  • verfügt über genügend Wissen zur individuellen Mobilitätsförderung

  • Umsetzung anderer iatrogener Maßnahmen

  • schwierige bautechnische Bedingungen

  • Umsetzung pflegerischer Bewegungskonzepte

  • Umsetzung physiotherapeutischer Maßnahmen

  • schwierige soziale Versorgungssituation (deren Motivation, Wissen, Kompetenzen, Fähigkeiten)

  • schwierige materielle Situation

Aktueller Status der Mobilität:

der aktuelle Status der Mobilität umfasst die Fähigkeit, selbstständig Lageveränderungen des Körpers vorzunehmen oder sich selbstständig über kurze Strecken fortzubewegen.

 

keine selbstständigen Lagewechsel in liegender Position (Dekubitusprophylaxe)

kein selbstständiges Halten einer aufrechten Sitzposition (Dekubitusprophylaxe)

kein selbstständiger Transfer (aufstehen, sich hinsetzen, sich umsetzen)

kein selbstständige Fortbewegung über kurze Strecken (Wohnräume) (Dekubitusprophylaxe)

kein selbstständiges Treppensteigen

Individuelle körperliche Beeinträchtigungen und Ressourcen:

es sind nur Aspekte zu bewerten, die die Mobilität signifikant einschränken

 

Dekubitus-Risiko (Dekubitusprophylaxe)

akute/chronische Schmerzen (Expertenstandard akuter bzw. chronischer Schmerz)

Kontrakturen bzw. Gelenkbewegungseinschränkungen

Funktionsbeeinträchtigungen des Bewegungsapparates

Adipositas (BMI 30 und höher) (Expertenstandard Ernährung)

Mangelernährung /BMI unter 18,5) (Expertenstandard Ernährung)

Dehydration (Expertenstandard Ernährung)

Anwendung von FEM (Expertenstandard Sturzprophylaxe)

Sehbeeinträchtigungen (Expertenstandard Sturzprophylaxe)

Individuelle kognitive Beeinträchtigungen und Ressourcen:

die für die Mobilität von Bedeutung sind

 

Angst vor Stürzen (Expertenstandard Sturzprophylaxe)

verfügt über genügend Wissen zur individuellen Mobilitätsförderung (alle Expertenstandards)

ist motiviert, sich zu bewegen (alle Expertenstandards)

lässt aktivierende Hilfen zu (alle Expertenstandards)

belastende emotionale Situationen, Depressionen (Expertenstandard Sturzprophylaxe)

Auswirkungen von Psychopharmaka (Expertenstandard Sturzprophylaxe)

nicht steuerbare motorische Unruhe, einschießende Bewegungen (Expertenstandard Sturzprophylaxe, Dekubitusprophylaxe)

motorische Unruhe bei Demenz (Expertenstandard Sturzprophylaxe, Dekubitusprophylaxe)

Apathie, Lethargie, Nachbarschaftsdeprivation (Expertenstandard

Sturzprophylaxe, Dekubitusprophylaxe)

Merkmale der materiellen und sozialen Umgebung:

mit Auswirkungen auf die individuelle Mobilität (beachte, dass diese hemmend aber auch fördernd sein können)

Einsatz von Hilfsmitteln (Expertenstandard Sturzprophylaxe, Dekubitusprophylaxe)

  • schwierige soziale Versorgungssituation (Motivation, Wissen, Kompetenzen, Fähigkeiten)

  • schwierige materielle Situation

  • schwierige bautechnische Bedingungen

  • Einbeziehung von Bezugspersonen/Angehörigen (alle Expertenstandards)

Erkrankungen und aktuell durchgeführte thera- peutische Maßnahmen:

denen ein besonderer Stellenwert für die individuelle Mobilität und ihrer Entwicklung zukommt

  • Einnahme von sedierenden Medikamenten oder Psychopharmaka (Expertenstandard Sturzprophylaxe, Dekubitusprophylaxe, Schmerzmanagement akut/chronisch)

  • Umsetzung pflegerischer Bewegungskonzepte

  • Umsetzung physiotherapeutischer Maßnahmen

  • Umsetzung anderer iatrogener Maßnahmen

Pflegefachliche Abschlussbewertung

  • andere, im individuellen Fall gesonderte Ursachen liegen vor

  • die Ursachen für die Mobilitätseinschränkung werden vom Patienten kompensiert, zur Zeit keine Gefährdungen

  • die Ursachen für die Mobilitätseinschränkung werden vom Patienten nicht kompensiert, Gefährdungen liegen vor

Ebene 2

S 2a: Die PFK verfügt über die Kompetenz zur Planung und Koordination von Maßnahmen zur Erhaltung und Förderung der Mobilität.

S 2b: Die Einrichtung stellt sicher, dass Maßnahmen zur Erhaltung/Förderung der Mobilität fester Bestandteil des internen QM ist.

P 2: Die PFK plant und koordiniert in enger Absprache mit dem pflegebedürftigen Menschen und ggf. seinen Angehörigen sowie weiterer Berufsgruppen individuelle Maßnahmen zur Erhaltung/Förderung der Mobilität unter Berücksichtigung seiner Präferenzen. Sie sorgt für eine kontinuierliche Umsetzung des Maßnahmen-planes.

E 2: Ein individueller Maßnahmenplan mit den vereinbarten Maßnahmen zur Erhaltung/Förderung des pflegebedürftigen Menschen liegt vor.

Das „Konzept zur Mobilitätsförderung“

Inhalte/Aussagen zu:

  • Stellenwert der Erhaltung/Förderung der Mobilität in der Einrichtung

  • Einschätzung, Dokumentation, Verlaufsbeobachtung und Evaluation, Angebot zur Erhaltung/Förderung von Mobilität

  • Information, Beratung, Schulung, Motivation

  • Fort- und Weiterbildung

  • Kooperation mit Dritten (Therapeuten, Sanitätshäusern, Sportvereinen, Kirchgemeinden, Ehrenamtlichen und anderen mit Mobilität befassten Gruppen)

  • Einsatz von Hilfsmitteln

  • Gestaltung bewegungsfördernder Umgebung (Räume, Möbel, Licht, etc.)

  • bedarfsbezogenen Fallbesprechungen, bei Bedarf ethische Fallbesprechungen

Ebene 3

S 3a: Die PFK verfügt über die Kompetenz, den pflegebedürftigen Menschen und ggf. seine Angehörigen über die Bedeutung von Mobilität für die Gesundheit und den Erhalt von Selbstständigkeit zu informieren und sie durch Beratung und Anleitung darin zu unterstützen, Maßnahmen der Erhaltung/Förderung
der Mobilität in ihren Lebensalltag zu integrieren

 

S 3b: Die Einrichtung stellt Material zur Information, Beratung und Anleitung pflegebedürftiger Menschen und ihrer Angehörigen zur Verfügung

 

P 3: Die PFK bietet dem pflegebedürftigen Menschen und ggf. seinen Angehörigen Information, Beratung und Anleitung unter Berücksichtigung der bei der Einschätzung identifizierten Probleme, Wünsche und Ressourcen an.

 

E 3: Der pflegebedürftige Mensch und ggf. seine Angehörigen sind über die Auswirkungen einer eingeschränkten Mobilität sowie Möglichkeiten zur Erhaltung/Förderung von Mobilität informiert.

 

Information:
• Übermittlung von Fakten und Einschätzungen
Beratung:
• Stärkung der Eigenverantwortlichkeit, Motivation, Aktivierung
(Respekt vor Entscheidungen, die eine andere Priorität
haben)


Anleitung:

• unterstützende Begleitung bei pflegerischem Handeln, vor-
machen, üben, reflektieren, verbessern

 

Inhalte des Beratungsgespräches

1. Bedeutung von Bewegung
2. Krankheitsspezifische Aspekte
3. Handlungsgewohnheiten und Verhaltensänderung im Alltag
4. Räumliche Gestaltung der Wohnumgebung
5. Einstellungen und Emotionen
6. Nutzung von Angeboten
7. Integration von Bewegungsübungen in den Alltag
8. Berücksichtigung weiterer pflegerischer Anforderungen mit
Mobilitätsbezug

Information, Beratung und Anleitung

Information: Übermittlung von Fakten und Einschätzungen

Beratung: Stärkung der Eigenverantwortlichkeit, Motivation, Aktivierung
(Respekt vor Entscheidungen, die eine andere Priorität haben)

Anleitung: unterstützende Begleitung bei pflegerischem Handeln, vormachen, üben, reflektieren, verbessern

Inhalte des Beratungsgespräches

1. Bedeutung von Bewegung
2. Krankheitsspezifische Aspekte
3. Handlungsgewohnheiten und Verhaltensänderung im Alltag
4. Räumliche Gestaltung der Wohnumgebung
5. Einstellungen und Emotionen
6. Nutzung von Angeboten
7. Integration von Bewegungsübungen in den Alltag
8. Berücksichtigung weiterer pflegerischer Anforderungen mit
Mobilitätsbezug

Bezug zu Pflegetheorien bzw. entbürokratisierter Pflegedokumentationschrift

Virginia Henderson (Grundbedürfnis)                         > sich bewegen/an der Körperhaltung arbeiten

 

Nancy Roper (Modell des Lebens)                               > sich bewegen

Monika Krohwinkel (AEDL/ABEDL)                             > sich bewegen können/ sich bewegen

Liliane Juchli (ATL)                                                         > sich bewegen

Dorothea Orem (Aktivitäten)                                                     > Erhalt des Gleichgewichts zwischen Aktivität und Ruhe

SIS (Strukturierte Informationssammlung)                 > Themenfeld 2 – Mobilität und Beweglichkeit

Die subjektive Bedeutung von Mobilität (Schriftenreihe des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Band 197)

„Der Mensch muss sich bewegen! Ich will mich bewegen und fühl mich dabei wohl.“, „Das Bedürfnis, mich fortzubewegen.“, „Damit ich Bewegung habe.“

 

Mobilität als Bewegung an sich, als menschliches Grundbedürfnis

 

„Sehnsucht nach frischer Luft.“, „Spazierengehen.“, „Ich muss raus, muss wissen, was in der Natur los ist.“, „Ich bin gern in der Natur.“

 

Mobilität als Bewegung im Freien, als Bewegung in und Beobachtung von Natur bzw. natürlicher Umgebung

 

„Dass ich am gesellschaftlichen Leben noch teilnehmen kann.“, „Jemanden treffen oder jemanden zur Ansprache haben.“, „Alte Freunde besuchen.“, „Um nicht zu vereinsamen.“

 

Mobilität, Fortbewegung als soziales Bedürfnis, als Wunsch nach gesellschaftlicher Integration und Teilhabe

 

„Nicht eingesperrt sein.“, Jederzeit, wenn ich will, auch rausgehen können.“, „Sonst kommt mir die Decke auf den Kopf.“

 

Möglichkeit der Fortbewegung als Ausdruck persönlicher Autonomie und Freiheit

 

„Damit ich hier oben nicht verkalke.“, „Dass man mal etwas anderes sieht als die vier Wände, in denen man wohnt.“, „Um etwas anderes zu erleben, nicht zu versauern.“

 

Mobilität als Quelle neuer Eindrücke, als Anregung und Abwechslung

 

„Ein Beweis, dass ich noch ein Mensch bin wie ein anderer Mensch auch.“, „Dass man das Geschehen draußen noch mitkriegt.“, „Auf niemand angewiesen sein.“, „Das letzte bisschen Unabhängigkeit.“

 

Mobilität als reflektierter Ausdruck von (noch vorhandener) Lebenskraft

Veränderungen des Bewegungsapparates im Alter

Abnahme der Muskelmasse (bis zum 70. Lebensjahr um etwa 30 %)

  • Verlust der Elastizität, Dehnbarkeit, Reißfestigkeit und Gleitfähigkeit von Sehnen, Bändern und Muskeln

  • Abnahme des Mineralgehaltes in den Knochen bereits ab dem 40. Lebensjahr (Verringerung der Knochendichte = Osteoporose)

  • Abnahme der Gelenkbeweglichkeit

Es kann zu Einschränkungen der Unabhängigkeit und Selbstständigkeit sowie zu einer erhöhten Anfälligkeit von Stürzen und Knochenbrüchen kommen.

Erkrankungen/Konstellationen mit möglichen Auswirkungen auf die Mobilitätränderungen des Bewegungsapparates im Alter
  • Osteoporose

  • Arthrose

  • Arthritis

  • Gicht

  • Frakturen (Knochenbrüche)

  • auch Adipositas (BMI über 30)

  • oder Kachexie (BMI unter 18,5)

Hauptursachen für häufige Stürze im Alter
  • Angstzustände, Schmerzen

  • Altersdepression

  • dementielle Erkrankungen mit den Vorstufen von zeitlicher und örtlicher Verwirrtheit und Desorientierung

  • Veränderungen von Sinnesorganen

  • Störungen des Gleichgewichtssinns

Hinweise des Qualitätsausschuss Pflege

Expertenstandards nach § 113a SGB XI

Das Ziel:

Entwicklung und Aktualisierung wissenschaftlich fundierter und fachlich abgestimmter Expertenstandards zur Sicherung und Weiterentwicklung der Qualität in der Pflege.

 

Hintergrund:

Der Qualitätsausschuss ist gemäß § 113a SGB XI für die Entwicklung und Aktualisierung wissenschaftlich fundierter und fachlich abgestimmter Expertenstandards zur Sicherung und Weiterentwicklung der Qualität in der Pflege zuständig. Entsprechend wurde ein Expertenstandard Mobilität beauftragt, von Pflegewissenschaftler:innen entwickelt und modellhaft implementiert. Die Empfehlung zur freiwilligen Einführung erfolgt Anfang 2018 durch den erweiterten Qualitätsausschuss.

 

Aktueller Entwicklungsstand:

Zu Beginn des Jahres 2019 wurde die Ausschreibung für eine Aktualisierung des Expertenstandards “Erhaltung und Förderung der Mobilität in der Pflege” veröffentlicht. Den Zuschlag zur Aktualisierung erhielt Mitte Mai 2019 das Deutsche Netzwerk für Qualitätsentwicklung in der Pflege (DNQP) an der Hochschule Osnabrück.

Der Abschlussbericht des DNQP einschließlich des aktualisierten Expertenstandardentwurfs wurde vom Qualitätsausschuss Pflege im Dezember 2020 abgenommen.

Ebene 4

S 4a: Die Einrichtung verfügt über personelle, materielle und räumliche Ressourcen für ein zielgruppenspezifisches Angebot mobilisationserhaltender und –fördernder Maßnahmen sowie für eine mobilitätsfördernde Umgebungsgestaltung.

S 4b: Die PFK verfügt über Kompetenzen zur Ermöglichung und Durchführung von mobilitätsfördernden und erhaltenden Maßnahmen.

P 4: Die PFK unterbreitet dem pflegebedürftigen Menschen kontinuierlich Angebote zur Erhaltung/Förderung der Mobilität und führt die mit dem Pflegebedürftigen vereinbarten Maßnahmen durch.

E 4: Die in der Maßnahmeplanung festgelegten und zuvor vereinbarten Maßnahmen wurden durchgeführt und
Änderungen im Maßnahmenplan dokumentiert.

Maßnahmen

Für die Erhaltung und Förderung der Mobilität werden im Expertenstandard drei verschiedene Maßnahmen unterschieden:
• gezielte Einzel- und Gruppeninterventionen

• Integration von mobilitätsfördernden Aspekten in Alltagsaktivitäten

• alltägliche pflegerische Maßnahmen


Maßnahmen

Für die Erhaltung und Förderung der Mobilität werden im Expertenstandard drei verschiedene Maßnahmen unterschieden:


• gezielte Einzel- und Gruppeninterventionen

• Integration von mobilitätsfördernden Aspekten in Alltagsaktivitäten

• alltägliche pflegerische Maßnahmen

 

Umsetzung der Maßnahmen durch:
• körperliche Aktivität
• Bewegungsübungen
• individuelle Beratung
• Gestaltung der räumlichen Umgebung
• Nutzung von Hilfsmitteln

Angebote zur Erhaltung und Förderung der Mobilität

Voraussetzung ist, das sich der Pflegebedürftige aktiv einbringt und nicht passiv mobilisiert wird.

• aufgabenbezogenes Gehtraining nutzt bekannte, alltägliche Aufgaben zur Förderung der Mobilität

 

• Menschen bewegen sich nur, wenn sie einen Sinn darin erkennen!

Ziele der Mobilisation in der Pflege

• Kreislaufaktivierung

 

• Thromboseprophylaxe

 

• Förderung der Selbstständigkeit

 

• Hebung des Selbstwertgefühls

 

• Hebung der Muskelspannung

• Verhinderung von Kontrakturen

 

• Dekubitusprophylaxe

 

• Lockerung der Gelenke

 

• Förderung des Heilungsprozesses

Möglichkeiten der Mobilisation

• alltagsintegrierte Maßnahmen

 

• aktive Bewegungsübungen

 

• aktiv-assistive Bewegungsübungen

 

• isometrische Spannungsübungen

 

• Positionsveränderungen

 

• Sitzen auf der Bettkante

 

• Sitzen im Sessel

 

• Gehen mit Unterstützung

 

• Gehen mit Mobilisationshilfen

 

• Beschäftigung

 

• sozialer Kontakt

 

• Tanzen, sportliche Übungen (auch im Wasser), Einsatz von Spielkonsolen

Isometrische Spannungsübungen

Anspannung der Muskulatur durch Drücken gegen einen tatsächlichen oder gedachten Widerstand, ohne dass es zu einer Bewegung kommt, zur Intensivierung des Muskelstoffwechsels und Erhöhung des Muskeltonus im Kopf- , Hals-, Arm, Hand-, Finger-, Oberschenkel-, Unterschenkel-, Zehen- und Fußbereich

Positionsveränderungen im Bett
  • Höherrutschen im Bett mit und ohne Hilfsmittel

Erstes Sitzen auf Bettkante
  • Vorbereitung auf weitere Mobilisation und Lauftraining, Gewöhnung des Körpers an erhöhte Kreislaufbelastung

Passive Bewegungsübungen
  • Nein

Erstes Aufstehen
  • Immer mit Hilfe und Unterstützung einer Pflegeperson, zuerst Sitzen, dann Aufrichten

aktive und aktiv-assistive Bewegungsübungen

Mobilisation durch den Betroffenen selbst oder unter Mithilfe einer Pflegeperson mehrmals täglich, Bewegung einzelner oder aller Gelenke, Sitzen im und außerhalb des Bettes, Sitzen auf der Bettkante, Positionsveränderungen im Bett, Gehen mit Unterstützung einer Pflegeperson oder mit Gehhilfen

Gehen mit Unterstützung und Mobilisationshilfen

• Unterstützung durch Pflegepersonal sowie durch Gehwagen, Rollator, Vierpunktstütze, Unterarmgehstütze, Achselstütze oder Handstock

 

• 3-Schritt-Therapie

3-Schritt-Therapie (-Programm) nach Zegelin

• mehrwöchiges Motivations- und Trainingsprogramm, Sonderform des Transfers
• Transfer sollte sicher, freundlich und professionell erfolgen
• immer gleiche Abläufe (schriftlich festhalten) und feste Griffe


Ablauf:
• bei jedem Transfer sollen drei Schritte bis zum Ziel/Hilfsmittel (Bett, Stuhl, WC) gegangen werden


• Betroffene auf die Beine stellen (Schuhe!), Aufrichten und Stützen


• anfangs viel Hilfe, Haltemöglichkeiten testen


• ca. 8 Transfers täglich (mal zwei)

 

• z.B. der Rollstuhl bleibt jeweils drei Schritte vor dem Speisesaal, der Toilette oder dem Bett stehen und die Leute laufen auf ihr Ziel zu: „Dabei müssen sie oft wieder lernen, sich aufzurichten, das Gleichgewicht

Möglichkeiten der Mobilisation

Übungen, die folgende Bereiche stärken:
• Kraft, z.B. mit Geräten, elastischen Bändern, Hanteln, Rücken anspannen und entspannen, etc.

 

• Balance, z.B. Ganzkörperwiderstandsübungen, Sitz-Stand-Übungen, Ganzkörpervibration

 

• Beweglichkeit, z.B. Übungen zur Erweiterung des Bewegungsausmaßes, Verlängerung der Gehzeit

 

• Gang

 

• funktionale Leistungsfähigkeit, Ausdauer, Treppensteigen

 

• Koordination

 

Übungen planen:

• Übungshäufigkeit, zeitlicher Abstand, zeitliche Intensität, Kraftaufwand, Nutzung von Hilfsmitteln, Kombination/Reihenfolge, soziale Rahmenbedingungen, kognitiv fordernde Maßnahmen

• kontinuierliche Förderung der Bewegung in den alltäglichen
Handlungen und Verrichtungen

 

• Mobilitätsförderung und Erhalt der Mobilität müssen
deutlich früher einsetzen (S. Huhn)

 

• Mobilitätsförderung passiert überwiegend nebenbei, zufällig
und personenabhängig (S. Huhn)

Hilfsmittel der Mobilisation können sein

Technische/mechanische Hilfen:
• Rollator, Unterarmgehstützen, Gehbänkchen

 

zu Übungszwecken:
• z.B. Beinpresse, Bälle, Gewichte, elastische Bänder

 

im Alltag:
• Haltegriffe, Orientierungshilfen, Stützvorrichtungen, Aufstehhilfen

Gestaltung einer mobilitätsfördernden Umgebung

Technische/mechanische Hilfen:
• Rollator, Unterarmgehstützen, Gehbänkchen

 

zu Übungszwecken:
• z.B. Beinpresse, Bälle, Gewichte, elastische Bänder

 

im Alltag:
• Haltegriffe, Orientierungshilfen, Stützvorrichtungen, Aufstehhilfen

Voll- und teilstationäre Einrichtungen:

• gute Lichtverhältnisse
• rutschhemmende Fußböden
• Haltegriffe und Handläufe
• kippsicheres Mobiliar
• flache Stufen in Treppenhäusern und auch Möglichkeiten
zum Ausruhen
• individuell eingestellte Betthöhe
• Buffet-Tische mit Getränken und Snacks
• gemütliche Sitzecken
• barrierefreier Zugang nach „draußen“ und evtl. ebenerdig
zu erreichende Gartenanlagen und Bewegungspfade

Ambulante Dienste

• Betroffene und Angehörige entsprechend informieren und auf mobilitätseinschränkende Umgebungsfaktoren hinweisen und Anregungen geben

 

• siehe auch stationärer Bereich

Ebene 5

S 5:
• Die PFK verfügt über die Kompetenz, die Angemessenheit und Wirksamkeit der Maßnahmen auf den pflegebedürftigen Menschen zu überprüfen.

 

P 5:
• Die PFK überprüft gemeinsam mit dem pflegebedürftigen Menschen und ggfls. seinen Angehörigen sowie weiteren an der Versorgung beteiligten Berufsgruppen den Erfolg und die Angemessenheit der Maßnahmen. Bei Bedarf vereinbart sie mit dem pflegebedürftigen Menschen auf der Grundlage einer erneuten Einschätzung Veränderungen am Maßnahmenplan.

 

E 5: Eine Evaluation der vereinbarten Maßnahmen liegt vor.

Planung und Koordination von Maßnahmen

Hauptziel

 

 

 

 

Beobachtung und Dokumentation der Bewegung

 

Planung, Anwendung und Kontrolle von Maßnahmen

Erhalt/Verbesserung der Bewegungsfähigkeit durch Bewegungstraining Förderung der Selbstständigkeit auch bei den anderen Aktivitäten/Grundbedürfnissen des Lebens

 

Bewegung, Gang, Haltung, Lage

 

 

 

Maßnahmen zur Aktivierung und
Bewegungsförderung

• immer individuelle Wünsche und Bedürfnisse des Pflegebedürftigen berücksichtigen

 

• in den Pflegealltag integrieren und kontinuierlich anbieten

 

• Umsetzung der Maßnahmen nur berufsgruppenübergreifend

Als übergeordnetes Ziel pflegerischen Handelns und als wichtiger Beitrag zur Vermeidung folgender Pflegeprobleme und Risiken:

  • Dekubitus

  • Kontrakturen

  • Sturz

  • Obstipation

  • Thrombose

  • Pneumonie

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