B3.1 Thromboseprophylaxe in der Pflege - Online Weiterbildung | kenbi Akademie

B3.1 Thromboseprophylaxe in der Pflege

Gründe der Auseinandersetzung

• weil Venenleiden viele Krankheiten im Alter darstellen (z.B. Besenreiser, Krampfadern, Thrombose)

 

• weil die Risiken oft unterschätzt werden

 

• weil Thrombose nicht nur ein kosmetisches Problem ist, sondern oftmals ein Alarmsignal für beginnende ernsthafte Veränderungen im Venensystem sind

 

• weil sich Thrombosen oft schleichend entwickeln und chronisch verlaufen

 

• weil Lungenembolien häufige Todesursachen sind

Blut

• flüssiges Körpergewebe als Bestandteil des Organismus

 

• als Transportmittel (z.B. Sauerstoff, Nährstoff)

 

• Aufgaben bei der Wundheilung zur Abwehr
eingedrungener Fremdkörper

 

• wichtiger Bestandteil des Immunsystems

 

• enthält Substanzen für die Blutgerinnung

 

• Gesamtblutmenge 7-8 % des Körpergewichtes (ca.4-6 Liter)

feste Bestandteile

• Erythrozyten
(rote Blutkörperchen)

 

• Leukozyten
(weiße Blutkörperchen)

 

• Thrombozyten
(Blutplättchen)

flüssige Bestandteile
  • Plasma

• Erythrozyten (rote Blutkörperchen):

Transport des Sauerstoffes von der Lunge in sämtliche Körpergewebe und Aufnahme und Abtransport des Abfallproduktes Kohlendioxid

 

• Leukozyten (weiße Blutkörperchen):

Schutz des Organismus gegen Infektionen und deren Bekämpfung

 

• Thrombozyten (Blutplättchen):

wichtige Rolle bei der Blutstillung und Blutgerinnung

Aufgaben des Blutkreislaufes

• Versorgung der Zellen mit Sauerstoff

 

• Ernährung der Zellen (Eiweiße, Fette, Kohlenhydrate)

 

• Verteilung von Wasser und Salzen in den Körperflüssigkeiten

 

• Hormon- und Antikörpertransport

 

• Wärmeregulation

 

• Austausch von CO2 und H2O sowie Abgabe harnpflichtiger Stoffe

Arterien und Venen

Arterien:

• hohle Schläuche mit einer dreischichtigen, stabilen
Wand

 

• mit kräftigen Muskeln ausgestattete Gefäße

 

• Verteilung des Blutes vom Herz ausgehend

 

• mit Sauerstoff und Nährstoffen angereichertes Blut fließt von der linken Herzkammer zu den einzelnen

Organen

Venen:

• Wand ist dünner als die der Arterien

 

• muskelschwache Gebilde mit geringem Blutdruck

 

• Aufgabe, sauerstoffarmes Blut aus den Organen, Armen und Beinen zu sammeln und zum Herz zurückzuleiten

 

 

• Die pulsierende Arterie übt Druck auf die
benachbarte Vene aus. Durch diesen Vorgang sowie durch die Arbeit der Venenklappen wird das Blut in Richtung Herz gepumpt.

Venenklappen

• Venenklappen sorgen dafür, dass das Blut nur in eine Richtung fließen kann und verhindern den Rückstrom des Blutes.

 

• Intakte Venenklappen und die Muskulatur sind wichtig, damit das Blut in den Venen nicht „versackt“.

Begriffe & Definitionen
BegriffBeschreibung
ThromboseVölliger oder teilweiser Verschluss eines Blutgefäßes durch die Bildung eines Blutgerinnsels (Thrombus) in einem Arterien oder Venen.
ThrombusEin Thrombus ist ein Blutpfropf oder Blutgerinnsel, das sich innerhalb eines Blutgefäßes, sei es eine Arterie oder Vene, bildet. Dies kann zu einer Thrombose führen.
EmbolusEin Embolus ist ein Teil eines Thrombus, der sich von seinem ursprünglichen Bildungsort löst und durch die Blutbahn transportiert wird.
EmbolieEine Embolie tritt auf, wenn ein Teil eines Blutgerinnsels (Embolus) in die Blutbahn gelangt und ein Blutgefäß verstopft, was zu einer Durchblutungsstörung führen kann.
Butgerinnung

• = Festwerden oder Stocken des Blutes (z.B. Verhinderung eines Austrittes von Blut bei Verletzungen des Gefäßsystems )

 

• Schutz des Körpers vor Blutungen und Blutverlusten durch das Gerinnungssystem

 

• aber auch gleichzeitige Verhinderung einer Gerinnung des Blutes zu falscher Zeit und am falschen Ort, z.B. Thrombose

Entstehung von Blutgerinnseln

• Bildung am ehesten an schadhaften Stellen der innersten Schicht der Gefäßwand (Intima) sowie Begünstigung durch jede Störung des Blutflusses

 

• Aktivierung des Blutgerinnungssystems (Thrombozyten) durch die Intima

 

• Ablagerung der Thrombozyten an der defekten Stelle der Intima (Adhäsion) und Freisetzen bestimmter Stoffe, die weitere Thrombozyten „anlocken“

 

• weiteres Verklumpen (Aggregation) und Einlagerung netzförmiger Fasern (Fibrin) als „Klebstoff“

 

• Bildung von Klümpchen aus Blut und Blutbestandteilen, das langsam wächst und später fest mit der Venenwand verbunden ist (besonders häufig Thrombus an der Venenklappe)

Rudolf Virchow
Dieses Bild ist ein Werk des National Institutes of Health, Teil des Ministeriums für Gesundheitspflege und Soziale Dienste der Vereinigten Staaten, aufgenommen oder erstellt als Teil der offiziellen Pflichten eines Mitarbeitenden. Als Werk der Bundesregierung der Vereinigte Staaten ist das Bild in der Gemeinfreiheit.

• 1821-1902

 

• Mediziner und Politiker

 

• Benennung von drei zugrunde
liegenden Mechanismen zur
Entstehung von Thrombose
(„Virchow‘ sche Trias“)

Virchow‘sche Trias

• 1. Veränderung an der Gefäßwand, d.h. meist ein entzündliches Geschehen an der Gefäßinnenwand

 

• 2. Veränderungen der Blutzusammensetzung,
d.h. Neigung zur Blutpfropfbildung (Gerinnungsstörung)

 

• 3. Verlangsamung der Blutströmung, d.h. meist bei längerer Ruhigstellung des Körpers und vor allem der Beine

Enzyme

• früher „Fermente“

• = Eiweißmoleküle, die in allen Lebewesen unzählige
Prozesse steuern und beschleunigen, z.B. Stoffwechsel,
in den Zellen, in den Körperflüssigkeiten und den Geweben

→ Enzyme im Blut halten das Blut flüssig und lösen Fibrin (Stoff bei der Blutgerinnung) auf.

Blutgerinnsel

• Fibrinschicht beginnt sich aufzulösen.

• Nach Einnahme eines Medikamentes (Enzyme) sind die roten Blutkörperchen wieder frei.

Schlaganfall

• Schlaganfall = Apoplex; Hirnschlag; Insult; Stroke

 

• gehört zu den akuten zerebralen (das Gehirn betreffenden) Durchblutungsstörungen

 

• ist die Folge einer plötzlichen Sauerstoffmangelversorgung eines bestimmten Gehirnbereiches

 

• schwerste Mangeldurchblutung des Gehirns

 

welche Körperfunktionen nach einem Schlaganfall beeinträchtigt werden und wie schwerwiegend die Folgen sind, hängt von der Größe und der Lage des
minder durchbluteten Bereiches ab

  • physische Notfallsituation

  • Angst/Sorge

  • Abhängigkeit

  • Hilflosigkeit

  • Sehstörungen

  • Sprachstörungen

  • Immobilität/Lähmung

  • Wahrnehmungs-, Denk- und Orientierungsstörungen

Was ändert sich für den Betroffenen schlagartig?

• Störungen des psychischen Gleichgewichtes

• Störungen der Symmetrie und des Körpergleichgewichtes (unterschiedliche Gefühlsempfindungen beider Körperhälften)
• auch Depressionen
• Sprachstörungen behindern Kontakt
zur Umwelt (aber geistiges Vermögen nicht gestört!)

Herzinfarkt

• Absterben eines Teils des Herzmuskels durch Verschluss eines Herzkranzgefäßes

 

• häufiges Verstopfen durch ein Blutgerinnsel (Thrombus) und damit Unterbrechung der Sauerstoff- und Nährstoffzufuhr

 

• durch Arteriosklerose verursacht, bildet sich ein Blutpfropf an den Rissstellen der Ablagerungen und kann damit die Gefäße verschließen

 

• Vernichtungsschmerz hinter dem Brustbein, ausstrahlend in den linken Arm, den Bauch, den Hals oder den Rücken

 

• anhaltende Schmerzen (keine Besserung in Ruhe)

 

• starkes Druck- und Engegefühl, Luftnot

 

• Angst, Unruhe, Übelkeit

 

• kalter Schweiß, Blässe

 

• der Puls kann flach, schnell und unregelmäßig sein

Varikose (Krampfaderleiden)

• Varizen = Krampfadern

unregelmäßige schlauch- oder knotenförmige Erweiterungen der oberflächlichen Venen
(Venenerweiterungen, die sich nur über wenige Millimeter erstrecken = Besenreiser)

 

• Entstehung in Folge einer Bindegewebsschwäche oder aufgrund einer venösen Abflussstörung meist Jahre/Jahrzehnte nach Ablauf einer tiefen Venenthrombose

 

• weitere Faktoren: Schwangerschaft, Übergewicht, langjährige stehende oder sitzende berufliche Tätigkeit und Bewegungsmangel

 

• in einer gesunden Vene fließt das Blut herzwärts, die Klappen sind intakt

 

• in der Krampfader schließen die Klappen nicht mehr richtig, das Blut staut, überdehnt die Ader und strömt teilweise sogar zurück

Gefahr einer Embolie

Embolie:

• Verstopfung eines Blutgefäßes durch ein in die Blutbahn geratenen Teil eines Blutgerinnsels

 

Vorgang:

• bei vielen tiefen Beinvenenthrombosen Loslösen eines Thrombusstückchens, Wegschwemmen dieses mit dem Blut aus den Beinen in die große Hohlvene, von dort in die rechte Herzkammer und danach in die Lunge, wo es in den kleineren Adern stecken bleibt

erste Anzeichen:
• akuter Schmerz in der
Brust, der beim Atmen
bestehen bleibt
• erneuter Husten
• plötzliche Atemnot
• Kreislaufschwäche
• Tachykardie (Herzrasen)
• schlagartig einsetzende
Schmerzen im Bauch/
Oberkörper, die beim
Einatmen stärker werden
• Angstgefühl

Welche Faktoren begünstigen eine Thrombose?

Operationen (besonders Bauch- und Becken-OP’s)

Besenreiser/Krampfadern (Varizen)

Schwere Verletzungen (Unfälle)

Frühere bzw. akute Thrombosen

Angeborener Mangel an gerinnungshemmenden Stoffen

Medikamente (Sedativa, Östrogene, Kontrazeptiva)

Schwangerschaft/Wochenbett

Nutzung der Kompressionstherapie

Herzinfarkt/Schlaganfall

Lähmungen, Sensibilitätsstörungen

Bekannte Gerinnungsstörungen

Schlechter Allgemeinzustand

Alter über 60 Jahre

Flüssigkeitsmangel (Erbrechen, Diuretika, Diarrhoe, zu geringe Flüssigkeitsaufnahme)

Bösartige (maligne) Tumore

Geringe Wegstrecken mit Schmerzen

Übergewicht (BMI über 29)

Schmerzen, Schonhaltungen

Bewegungsmangel, Immobilität

Rauchen (ab 6 Zigaretten/Tag)

Chronische Erkrankungen (Diabetes, Herzinsuffizienz, Niereninsuffizienz, Durchblutungsstörungen, chronische Lungenerkrankungen)

Andere von der Pflegefachkraft zugeordnete mögliche Risiken/Ursachen

Erste Anzeichen einer Thrombose

• muskelkaterähnliche Schmerzen in der Wade

 

• Schweregefühl im Bein

 

• diffuse Schmerzen im ganzen Bein

 

• Schmerzen entlang der Venenverläufe

 

• Schwellungen am Fußknöchel, vor allem rechts und
links von der Achillessehne

 

• Schwellungen am Unterschenkel

 

• leichte Blauverfärbung der Haut am Bein

 

• „Frösteln“ im Bein, evtl. leichtes Fieber und erhöhter Puls

Chronisch venöse Insuffizienz (nach Widmer)

Grad

Beschreibung

Grad I

Besenreiserartige Venen, die sich halbrund um den Knöchel schlingen und Knöchelödeme (Schwellungen) verursachen.

Grad II

Hyperpigmentierungen (übermäßige Ablagerung von Melanin in die Haut), die Haut ist fest und glänzend, möglicherweise Atrophie blanche (weiße Herde) und Unterschenkelödeme.

Grad III

Abgeheiltes Ulcus cruris venosum (offenes Bein), was auf eine fortgeschrittene Venenerkrankung hinweist.

Grad IV

Florides Ulcus cruris venosum (offenes Bein), was auf eine schwere und aktive Venenerkrankung hinweist.

Alles verstanden?

Solltest Du noch weitere Fragen zu diesem Thema haben, so kannst du dich gerne auf folgenden Wegen bei uns melden.

 

telefonisch:

Kenbi Campus 0171/ 3140321 oder

Mail: campus@kenbi.de

 

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