B5.1 Ausgewählte gerontopsychiatrische Diagnosen in der Pflege: Demenz - Online Weiterbildung | kenbi Akademie

B5.1 Ausgewählte gerontopsychiatrische Diagnosen in der Pflege: Demenz

Rudi Assauer an Alzheimer erkrankt

  • Medienberichten zufolge ist der ehemalige Fußballspieler und Ex-Manager des Bundesligisten FC Schalke 04 Rudi Assauer an Alzheimer-Demenz erkrankt

Alptraum Alzheimer

  • Der große Schauspieler Karheinz Böhm ist schwer erkrankt. Sein Sohn Michael wollte nicht länger über den Gesundheitszustand seines Vaters schweigen. Karlheinz Böhm wurde an der Seite von Romy Schneider in Sissi ein Star. Böhm setzt sich seit 1981 für hungernde Menschen in der Sahelzone ein.

Gründe der Auseinandersetzung

  • Zunahme der Häufigkeit psychischer Erkrankungen in der Altersbevölkerung durch eine gestiegene Lebenserwartung und eine verlängerte Krankheitsdauer (bessere medizinische Versorgung)

  • Demenz – wichtigster Grund für einen Einzug ins Pflegeheim und häufigste Ursache für Pflegebedürftigkeit

  • Demenz/Depression – häufigste psychische Erkrankungen im Alter

  • Notwendigkeit einer gestiegenen fachlichen Kompetenz und einer konzeptionellen Betreuung

  • genaue Kenntnis des entsprechenden Krankheitsbildes als Voraussetzung für eine professionelle Pflege

  • Anwendung von gerontopsychiatrischen Pflegestandards erfordert eine exakte diagnostische Zuordnung der entsprechenden Störungsbilder

Bezug der Pflegetheorien

Ganzheitlichkeit = Einheit von Leib, Seele und Geist
  • verlangt Komplexität in der Pflege

  • Beobachtung, Einschätzung und Berücksichtigung des Gesundheitszustandes, aller Handlungen, Äußerungen und Ressourcen/ Fähigkeiten des Pflegebedürftigen bei der Bewältigung der Aktivitäten des täglichen Lebens

  • die Gesamtheit der Ergebnisse bildet die Grundlage und ist Teil des gesamten Pflegeprozesses

Gegenüberstellung von Lebensäußerungen der unterschiedlichen Pflegetheorien/Pflegemodelle

Gerontopsychiatrische Pflege

  • spezielle Fachrichtung der geriatrischen Pflege (Geriatrie = Altersheilkunde)

  • umfasst alle pflegerischen Maßnahmen zur Prävention und Rehabilitation sowie die Therapie bei alten Menschen mit psychischen Störungen

  • Geronto- psych- ia- trische Pflege

  • Greis- Seelen- Heil Kunde- Begleitung

Von Aderlässen, Brechkuren und Sturzbädern

Altertum:
  • Behandlung körperlicher und psychischer Krankheiten durch körperliche Eingriffe, vor allem durch Entfernen der „materia peccans“ (= Folgen der Sünde) durch Reinigung der vier Körpersäfte Blut, Schleim, gelbe und schwarze Galle

  • Regeln im Umgang mit psychisch Kranken durch den Römer Celsus im 1. Jh. n. Chr.:

    – die heilsame Lüge

    – den heilsamen Schmerz

    – den heilsamen Schrecken

    – die heilsame Ablenkung

    – das heilsame Gespräch

Mittelalter:
  • neben Exorzismus auch Glaube an wundertätige Reliquien

  • Bau von Domspitälern/ Bürgerhospitälern und Aufnahme von Armen, Alten, Hilfsbedürftigen und

    Geisteskranken

  • Gründung von Ordensgemeinschaften mit klösterlichem Wesen wie Gehorsam und Keuschheit im Umgang mit den Patienten sowie Arbeit, Einsamkeit und Gebet als zentrale Elemente einer Therapie

17. Jahrhundert:
  • Entstehung von Zucht- und Tollhäusern

  • mehrwöchige gewaltsame Behandlungen, die oft tödlich endeten (in Kettenlegen und

    Prügel unruhiger und gefährlicher Patienten, Drehstühle, Sturzbäder mit kaltem Wasser, Zwangsstehen)

18. und 19. Jahrhundert:
  • Bemühungen um menschenwürdigere Behandlung psychisch Kranker

  • „therapeutischer Optimismus“ (Umdenken, keine Prügel, Ketten und Zwangsjacken)

Deutsche Psychiatrie zu Beginn des 20. Jh.:
  • Einführung einer gewaltfreien Behandlung durch Wilhelm Griesinger

  • Entstehung neuer Kliniken (Stadtasyle) in Form von Uni-Kliniken

  • nach dem 1. Weltkrieg neue Impulse für eine psychosoziale Betreuung:

    – „aktive Krankenbehandlung“ (Ausrichtung auf Beschäftigung aller Patienten)

    – „offene Irrenfürsorge“ (Einführung der psychiatrischen Familienpflege und der offenen Fürsorgewie Wiedereingliederung entlassener Patienten)

Psychiatrie im Nationalsozialismus:
  • 1934 „Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses“ (Sterilisation)

  • 1939 Tötung psychisch Kranker und geistig Behinderter durch „Geheimen Führererlass“

  • bis 1945 Tötung von ca. 150.000 psychisch kranker Menschen

Siegeszug der Psychopharmaka nach dem 2.Weltkrieg:
  • mit Entwicklung der ersten Neuroleptika (Substanz mit angstlösender und beruhigender Wirkung) und

    Antidepressiva tiefgreifende Änderungen in der psychiatrischen Therapie

Das Nervensystem

Grundvorgänge/ Funktionen:
  • Informationsaufnahme

  • Informationsverarbeitung

  • Informationsbeantwortung

Aufgaben des Gehirns

Nervenzelle (Neuron) als kleinste funktionelle Einheit des Nervensystems

Häufige psychiatrische Erkrankungen des Alters

Delir:
  • z.B. akuter Verwirrtheitszustand

Demenzen:
  • z.B. Alzheimer Demenz, Vaskuläre Demenz

Depressionen
Suchterkrankungen:
  • z.B. Alkohol- und Medikamentenabhängigkeit

schizophrene Störungen

Definition der ärztlichen Diagnose

  • Vorgang der Erkenntnisgewinnung durch die Zuordnung eines Phänomens oder einer Gruppe von Phänomenen zu einer Kategorie

  • Erkennung und Benennung einer Krankheit

  • aufgrund genauerer Beobachtungen und Untersuchungen abgegebene Beurteilung über den Zustand einer Krankheit

  • Aussage über den Zustand eines Patienten durch den Arzt

  • Gesamtheit aller Maßnahmen zur Feststellung, Prüfung, Einordnung und Klassifizierung von Gegebenheiten und Zuständen mit dem Ziel, ein Bild des Gesamtzusammenhanges zu erhalten

Bedeutung der Diagnose für die Pflege

  • „viele ‘merkwürdige‘ Verhaltensweisen des Erkrankten können besser eingeordnet werden,

  • Versagen und Fehlverhalten erhalten einen Krankheitswert und ein bedürfnisgerechter Umgang wird dadurch erleichtert,

  • pflegende Angehörige bekommen die Möglichkeit, sich frühzeitig mit dem zu erwartenden Krankheitsverlauf auseinanderzusetzen,

  • Beratungsangebote und Therapiepläne für den Kranken können rechtzeitig genutzt werden”

(Höwler “Gerontopsychiatrische Pflege”)

Klassifikationssysteme

  • diagnostische Klassifikationssysteme dienen der Ordnung und Katalogisierung des aktuellen medizinischen Wissens

  • wichtige Systeme für die Psychiatrie:

1. ICD-10            International Classification of Diseases and Related Health Problems (Internationale
                             Einteilung der Krankheiten der WHOin der 10. Änderung, Kapitel F)

2. DSM-IV           Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders (Diagnostisches und Statistisches                                     Handbuch Psychischer Störungen)

Akute Verwirrtheit

Definition:
  • auch als „Delir“ bezeichnet

  • akuter Zustand mit Bewusstseinstrübung, zeitlicher, örtlicher und situativer Desorientiertheit sowie

    psychomotorischer Unruhe

  • Entwicklung des akuten Krankheitsbildes innerhalb von Stunden oder Tagen

  • Gesamtdauer einige Tage bis Wochen

Ursachen:
  • 1. Erkrankungen (Exsikkose = Austrocknung bei Trinkschwäche, Diarrhö = Durchfall, Fieber, Harnverhalt und Harnweginfekt, Urämie = Harnvergiftung, Pneumonie = Lungenentzündung, Cholezystitis = Gallenblasenentzündung, Hyperglykämie = erhöhter Blutzuckergehalt und Hypoglykämie = abnorm geringer Blutzuckergehalt infolge Exsikkose, Hyperthyreose = Überfunktion der Schilddrüse und Hypothyreose = herabgesetzte Tätigkeit der Schilddrüse, Apoplexie = Schlaganfall, subdurales = unter der harten Hirnhaut gelegenes Hämatom = Bluterguss, zerebrale = das Großhirn betreffende Infektionen, akute Störungen des Verdauungstraktes, akute und chronische Schmerzen)

  • 2. häufigste Ursache bei alten Menschen – relative Intoxikation (Vergiftung) mit Medikamenten

  • 3. psycho-soziale Ursachen (Milieuwechsel, schwerer sozialer Verlust, Fremdkörperreaktion infolge eines Dauerkatheters)

Diagnose einer akuten Verwirrtheit

Diagnostische Kriterien: (Ärztekammer Hannover)
  • Störungen des Bewusstseins und der Aufmerksamkeit (verminderte Konzentrationsfähigkeit, leichte Bewusstseinsminderung, Koma)

  • globale Störung der Kognition (veränderte Wahrnehmung der Wirklichkeit, Halluzinationen, Beeinträchtigung des Denkens, Desorientiertheit, Gedächtnisstörungen)

  • psychomotorische Störungen (Hyper- und Hypoaktivität)

  • Störungen des Schlaf-Wach-Rhythmus (Schlaflosigkeit, Umkehr des Tag-Nacht-Rhythmus)

  • affektive Störungen (Depression, Angst, Reizbarkeit,

    Euphorie, Apathie)

Differentialdiagnose Delir – Demenz

Demenz

  • lat. Dementia

  • mens = Verstand

  • de = abnehmend, abnehmender Verlust

  • wichtigste Erscheinungsbilder:

    – Demenz vom Alzheimer Typ

    – Vaskuläre Demenz

    – Korsakow-Syndrom

    – Lewy-Körperchen-Demenz

Nur 20 % der Demenzkranken in Deutschland erhalten eine angemessene Therapie!

(Leitlinie Uni Witten)
  • „die Demenzerkrankung wird tabuisiert und als Variante des Älterwerdens klassifiziert

  • die Aus-, Weiter- und Fortbildungscurricula weisen Defizite auf

  • das Wissen über diagnostische Verfahren und adäquate Behandlungsmöglichkeiten ist nicht ausreichend vorhanden

  • eine Diagnosestellung erfolgt meist zu spät

  • viele Pflegeeinrichtungen sind auf Demenzerkrankte nicht ausreichend eingerichtet oder leiden unter personellen Engpässen

  • Demenzkranke können naturgemäß nur schwer ihre Beschwerden und Wünsche vorbringen

  • es fehlt ein therapeutisches Gesamtkonzept

  • neuere Medikamente werden aus Kostengründen (Budgetierung) nicht verordnet“

Definition der Demenz nach DSM IV

(Leitlinie Demenz Uni Witten)

Eine Demenz wird diagnostiziert, wenn mehrere kognitive Defizite vorliegen, die sich zeigen in:

Gedächtnisbeeinträchtigung plus mindestens eine der folgenden Störungen:

  • Aphasie: Störung der Sprache

  • Apraxie: beeinträchtigte Fähigkeit, motorische Aktivitäten auszuführen

  • Agnosie: Unfähigkeit, Gegenstände zu identifizieren bzw. wieder zu erkennen

  • Störung der Exekutivfunktionen, d.h. Planen, Organisieren, Einhalten einer Reihenfolge

Demenz vom Alzheimer Typ

Definition:
  • chronische, langsam fortschreitende Erkrankung des Gehirns, bei der es zu einer Zerstörung von

    Nervenzellen kommt

  • nach dem deutschen Neurologen Alois Alzheimer benannt, der 1906/1907 die Symptome und die

    typischen krankhaften Veränderungen im Gehirn beschrieben hat

  • auftretende Veränderungen entstehen durch Ablagerung von fehlerhaft gebildeten Eiweißstrukturen innerhalb und außerhalb der Nervenzellen des Gehirns und führen zur Zerstörung der betroffenen Nervenzellen

  • mit 70 % die häufigste Form einer Demenz

  • mit zunehmendem Alter nimmt die Häufigkeit zu und liegt bei den über 90-Jährigen bei ca. 20 %

Symptome:
  • Beeinträchtigung von Gedächtnis, Denken, Orientierung, Auffassung, Rechnen, Lernfähigkeit, Sprache und Urteilsvermögen

  • Aphasie (Verlust des Sprechvermögens, Wortfindungsstörung)

  • Apraxie (Unfähigkeit zu geschickten, planvollen Bewegungen von Körperteilen)

  • Agnosie (Erkennungsstörung)

  • Akathisie (psychomotorische Unruhe, quälender Bewegungsdrang)

  • Persönlichkeitsveränderungen

  • Beeinträchtigung in den Lebensaktivitäten

  • keine Bewusstseinstrübung

  • Veränderungen der emotionalen Kontrolle, des Sozialverhaltens oder der Motivation

  • Dauer der Symptomatik mindestens 6 Monate

Vaskuläre Demenz

Definition:
  • vaskulär = gefäß- oder durchblutungsbedingt

  • alle demenziellen Störungen, die durch Hirnblutungsstörungen verursacht werden

  • überwiegend arteriosklerotische Wandveränderungen der Hirngefäße bei ausgeprägtem chronischem Bluthochdruck

  • Untergang von Nervengewebe infolge von Durchblutungsstörungen oder Gefäßstenosen (Verengung)/Gefäßverschlüssen im Bereich sehr kleiner Hirnarterien

Ursachen:
  • durch viele kleine, zum Teil unbemerkte Schlaganfälle

  • Behinderungen des arteriellen Zuflusses durch arteriosklerotische Gefäßveränderungen bedingt durch Diabetes, Rauchen, Adipositas

  • Thrombenbildung bei Gefäßwandveränderungen und/oder Veränderungen der Fließgeschwindigkeit des Blutes

  • Hypertonie

  • Intoxikationen

Demenz vom Vaskulären Typ

Symptome:
  • plötzlicher Beginn und sprunghafter Demenzverlauf

  • plötzlich auftretende halbseitige Lähmungen mit Bewusstseinsstörungen

  • Sprachstörungen (langsam und schwerfällig)

  • Gleichgewichtsstörungen und kleinschrittiger Gang

  • Schluckstörungen

  • Reflexstörungen

  • zwischenzeitliche Stabilisierung im Wechsel mit akuten Phasen möglich

  • zur vaskulären Demenz führen wiederholte Durchblutungsstörungen und kleine Hirninfarkte

Lewy-Körperchen-Demenz

Definition:
  • Variante der Alzheimer-Krankheit, die durch sogenannte Lewy-Körperchen in Nervenzellen gekennzeichnet ist

  • die Betroffenen leiden an einer Demenz, häufig auch an Sinnestäuschungen, Depressionen und Symptomen der Parkinson-Krankheit

Korsakow-Syndrom

Definition:
  • irreversible neurologische Folgeerkrankung mit hirnorganischen Leistungsfunktionsstörungen (im engeren Sinn nur bei chronischem Alkoholismus)

  • schwere zerebrale Störungen

Symptome:
  • Merkschwäche, Desorientierung und Konfabulieren (erfundene Geschichten)

  • Gefühlsverflachung

  • Kritikminderung

  • Krankheitsuneinsichtigkeit

  • Unruhe und Antriebsstörungen

  • Bewusstseinsstörungen

  • Gang- und Standunsicherheit

Pseudodemenz

  • Vortäuschen einer Demenz

  • verursacht durch psychische Störungen, z.B. Depressionen, bestimmte Medikamente, Stoffwechsel- und Infektionskrankheiten, Vergiftungen

Symptome:
  • reduzierte Denkfähigkeit

  • Konzentrationsstörungen

  • Entscheidungsmangel

  • Schlafstörungen

  • körperliche Beschwerden

im Mittelpunkt:
  • Beschäftigung mit der eigenen Wertlosigkeit

Morbus Parkinson und Demenz

  • Morbus Parkinson – eine neurologische Erkrankung, als Spätkomplikation Entwicklung einer Parkinson-Demenz (Häufigkeit bei ca. 20 %)

  • meist erst Jahre nach den motorischen Symptomen der Parkinson-Krankheit

Symptome:
  • Verminderung kognitiver Fähigkeiten (z.B. beim Verstehen eines gelesenen Textes)

  • Störungen des Denkens und der Wahrnehmung (z.B. Beeinträchtigung der Aufmerksamkeit sowie der Orientierung in fremder Umgebung, Erinnerungsstörungen)

  • visuelle Halluzinationen

  • Schlafstörungen

  • Apathie

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